Begrifflichkeiten: Schulmedizin
Liebe Kollegen, es wäre schön, wenn ihr in eurer Berichterstattung zur aktuellen Homöopathie-Debatte den Begriff "Schulmedizin" aus eurem Vokabular streichen würdet, der ist nämlich arg belastet und tendenziös:
1876 prägte der homöopathische Arzt Franz Fischer aus Weingarten den Ausdruck „Schulmedizin“ in einem Brief an die Redaktion der Laienzeitschrift „Homöopathische Monatsblätter“ gezielt abwertend. Fischers Äußerung fußt wohl auch auf einer Mitteilung Hahnemanns, die dieser 1832 veröffentlicht hatte und die gegen humoralpathologische Therapieansätze gerichtet war. In ihr ist von „Medizinern der Schule“ die Rede. Die „schulmedizinischen“ Behandlungsansätze zur Zeit Paracelsus oder Hahnemanns hatten jedoch nichts mit der heutigen Hochschulmedizin gemein. Sie bezogen sich auf die sogenannte allopathische Medizin, die bis ins 19. Jahrhundert auf der Basis der Galenschen Säftelehre beruhte.
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der Begriff in Deutschland benutzt, um die jüdische Ärzteschaft zu diffamieren und statt dessen die gesunde „Volksmedizin“ oder eine „Neue Deutsche Heilkunde“ als Gegenstück zur „verjudeten Schulmedizin“ zu propagieren (siehe auch: Medizin im Nationalsozialismus).
Von Vertretern der wissenschaftlichen Medizin und Wissenschaftstheoretikern wird die Verwendung des Begriffs „Schulmedizin“ als abwertend kritisiert: Fälschlicherweise suggeriere "Schule" eine Lehrmeinung, die in festen Denkstrukturen verhaftet und unfähig zu Innovationen sei. Auch werde die Wortwahl benutzt, um bloßes Wiedergeben von nicht eigenständig erforschten Inhalten (Lehren) zu suggerieren, und die universitäre „Lehre und Forschung“ begrifflich nicht zu berücksichtigen. Der Begriff Schulmedizin sei somit negativ belastet und missverständlich und werde dem Wesen der modernen Medizin nicht gerecht. Stattdessen sollten die wertfreien und präziseren Bezeichnungen "Hochschulmedizin", "Evidenzbasierte Medizin" oder "Wissenschaftsmedizin" verwendet werden
Quelle: Wikipedia

