Schwachfugsignalphrasen
(Nachfolgend ein Tweet in Langfassung.)
(Grafik: Bild)
In Debatten, egal ob in Parlamenten, in Medien, im Netz oder am Kneipentresen, gibt es eine Hand voll Phrasen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrschenlichkeit die baldige Ankunft einer großen Menge Schwachfugs in den darauffolgenden Sätzen ankündigen. Man könnte sie Schwachfugsignalphrasen nennen. Hier eine Auswahl:
- "Es muss erlaubt sein zu sagen, dass..."
- "Es darf keine Denkverbote geben..."
- "Es darf kein Tabu sein zu sagen..."
Solcherlei Redewendungen sind trickreich und funktionieren erstaunlich oft erstaunlich gut. Ihr Sinn und Zweck: Sie sollen die Empörung des Gegenübers als Reaktion auf den phrasenbegleiteten Schwachfug kanalisieren, umleiten, eintüten, etikettieren und entsorgen. Das ist für den Schwachfugproduzenten äußerst praktisch, da er sich auf diese Weise einer inhaltlichen Debatte entziehen kann.
Wer die "Erlaubt sein zu sagen"- oder "kein Denkverbot"-Floskel vorschickt, unterstellt jedem Widerspruch implizit, ein Rede- oder Denkverbot zu fordern. Wer solche Phrasen nutzt, nimmt quasi die Meinungsfreiheit als Geisel, so wie ein Bankräuber ein Kind vor sich hält, um sich vor Polizeikugeln zu schützen. Wer auf den Schwachfugproduzenten ob dessen Schwachfugproduktion eindrischt, trifft das schützend vorgeschobene Grundrecht und outet sich somit als Gegner der Meinungsfreiheit - so das Kalkül.
Dabei wird natürlich andersherum ein Schuh daraus. Widerspruch, Empörung, auch laut geäußerte Verachtung: all das ist nicht das Gegenteil von Meinungsfreiheit, sondern vielmehr praktizierte Meinungsfreiheit. Wer seine Argumente prophylaktisch in eine "Wer hier draufhaut ist Feind der Meinungsfreiheit"-Hülle steckt, ist an allem interessiert, nur nicht an einer echten Diskussion, denn letztere verträgt (Achtung!) keine Denk- und Sprechverbote. Somit muss also auch Kritik - auch laute - an den schwachfugsignalphrasenfolgenden Thesen oder Behauptungen erlaubt sein, ohne dass diese vorsorglich unter Grundrechtgefährdungsverdacht gestellt wird.
Kurz: Wer diese Tricks anwended, will sich frei machen von den lästigen Meinungen der Diskussionsgegner und ist genau deshalb der wahre Gegner der Meinungsfreiheit. Echte Argumente brauchen keine Schutzhüllen.
Im Kontext: “Man wird doch wohl noch sagen dürfen”-Kampagne für Sarrazin (Carta)
Sarrazin und die Meinungsfreiheit (Sprengsatz)
und: Die PC-Lüge (via kruppzeuch auf Twitter)


Diese jetzt überall zu vernehmende, reflexhafte Empörung hat den kruden Gedanken dieses Mannes erst zu dem Stellenwert verholfen, den er nun hat. Ein Medienereignis, welche Genugtuung.
Es geht im Fall S. nicht um ein paar "abwertenden Äusserungen", Sarrazins Rechts-Ideologisches Schreiben und Sprechen stellt eine erhebliche Gefährdung dar. Eines seiner Ziele ist es die Rassentheorie und eine bestimmte Form der Herrschaftsideologie in die demokratische Gesellschaft zu importieren, um sie so ideologisch zu spalten und zu verunsichern. Eine eigentlich altbekannte destruktive Methode aller Neo-Faschisten.
Es entspricht anscheinend den Massstäben der heutigen konservativen Gesellschaft in Deutschland (leider auch europaweit) mit Rassentheorie, Antisemitismus und Biologismus ungestraft übelste Volksverhetzung und rassistische Ideologie zu betreiben. Ich hoffe darauf, dass ein Grossteil der Deutschen einer solchen gefährlichen, xenophoben und rassistischen Ideologie nicht noch einmal folgt.
http://lichtconlon.posterous.com/biologismus-und-neo-faschismus-anmerkung-zu-t
Ich muss ein bißchen klugscheißen: »so wie ein Bankräuber ein Kind vor sich hält, um sich vor Polizeikugeln zu schützen« — wohl zu viele schlechte Fernsehserien gesehen :) Ein Kind schützt genausowenig vor Kugeln wie z.B. eine Autotür. Die Kugeln fliegen da durch, ohne mit der Wimper zu zucken, um mal ein etwas absurdes Bild zu verwenden.
Zweitens: Ich würd das gern flattrn, kann aber nicht.
Jetzt!