Wenn Hitler plötzlich verschwindet

Foto: buongiornoadorno

[Update: siehe unten]

In der FAZ darf sich in letzter Zeit bekanntlich so ziemlich jeder zu Wort melden, der dieses Digitalzeugs im Allgemeinen, Computer im Besonderen und das Internet im Speziellen für wahlweise ungesund, gefährlich oder einfach nur doof hält. Zu befürchten ist gar, dass die FAZ Wolfgang Grupp bald eine eigene Kolumne anbietet.

In diesem Kontext befragte das Blatt jüngst den sich im Ruhestand befindlichen Ästhetik-Professor Bazon Brock (Wikipedia) und übertitelte das Interview mit “Das Netz ist die Hölle der neuen Welt” (übrigens ganz ohne Anführungszeichen, welche die Aussage als Zitat gekennzeichnet und somit ein wenig relativiert hätten, aber das nur am Rande).

Zwischen einer ganzen Menge hanebüchenem Schwachfug, den der Ex-Professor von sich geben durfte, fand sich in dem Interview auch diese mindestens bemerkenswerte Äußerung:

Wir waren vor Jahren viel weiter und haben gesagt, dass das, was die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen oder des Hitler-Regimes waren, jetzt, als Weltlager, das Netz geworden ist.

Inzwischen liest sich die entsprechende Passage so:

Wir waren vor Jahren viel weiter und haben gesagt, dass das, was die Lager der totalitär-faschistischen Regime, jetzt, als Weltlager, das Netz geworden ist.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ein Österreicher und ein adjektivierter Georgier den Text inzwischen mit unbekanntem Ziel verlassen haben. (Das Original-Zitat findet sich noch im Hitler-Blog der taz.)

Da sich unter, über oder neben dem Text keinerlei Erklärung für das plötzliche Verschwinden der beiden Despoten findet, bleibt dem Leser natürlich nur die Spekulation. Wir spekulieren mit:

Vielleicht hat Bazon Brock ja überhaupt nicht Hitler, Stalin und das Internet in in einem Satz genannt, aber auf den batteriegetriebenen Kassettenrerkordern, mit denen FAZ-Reporter seit 1983 unterwegs sind, fanden sich beim Abhören Klänge, die man irgendwie als “Hitler” und “Stalin” deuten könnte. Mittlerweile hat Kathleen Hildebrand, die das Gespräch führte, diesen Fehler erkannt und klammheimlich korrigiert.
Der FAZ-Redaktion ist es im Nachhinein äußerst peinlich, auf eine derart unerhörte Unnsinnsbehauptung nicht wenigstens mit einer winzigkleinen Nachfrage reagiert zu haben.
FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher fand den Vergleich so knorke, dass er beschloss, seine nächste Tirade über die Digitalisierung der Gesellschaft “Warum das Internet Hitler ist” zu nennen und wies seine Online-Redakteure an, den entsprechenden Passus flugs aus dem Interview zu entfernen, um nicht des Hegemannens überführt zu werden.
Nun helfen Spekulationen auf der Suche nach der Wahrheit nur bedingt weiter, daher habe ich die Online-Redaktion der FAZ um eine Stellungnahme zu dem Vorgang gebeten und werde diese hier natürlich umgehend veröffentlichen. Bleiben Sie am Apparat!

[Update 7.5.] Inzwischen findet man diesen Zusatz unter dem Artikel:

Aufgrund vielfältiger Proteste gegen einen Nebensatz in diesem Interview (fünfte Frage, zweiter Satz: „des stralinistischen … waren“) haben wir die nicht-argumentationsrelevante Passage am 4. Mai entfernt und dabei den Fehler gemacht, dies nicht zu kennzeichnen. Der (sic!) Blog von Mario Sixtus hat den Fehler aufgegriffen und damit eine Diskussion über die Notwendigkeit des Eingriffs ausgelöst, in der uns die Argumente dagegen überzeugt haben. Wir veröffentlichen das Interview daher wieder in der ursprünglichen Form. (7. Mai, 13.40 Uhr)

31 comments
May 06, 2010
mspro said…
Ich bin auf die Antwort auch gespannt, glaube aber, dass eine Antwort 4 die Lösung ist: das wirre Zeugs des alten Professors war dann einigen doch zu peinlich, so dass man es entschärfen wollte. Der Atrikel ist nebenbei auch aus der Reihe “Wie verändert uns das Internet” wieder rausgeflogen.
Ich persönlich finde das übrigens schade. Ich bin ein Freund der provokativen Meinung, egal wie absurd und abgedreht sie ist. Aber so ist das halt im Mainstream. Da kann man nicht alles machen.

May 06, 2010
Guardian of the Blind said…
Naja, die Aussage ist ja immer noch ganz furchtbar, auch wenn Hitler nicht mehr namentlich erwähnt wird. Aber andererseits: wenn diese “Netzkritiker” schon derartige Vergleiche verwenden, wird vielleicht auch den eher technikskeptischen klar, was für ein hanebüchener Unsinn das ist.
May 06, 2010

MarkoTosic said…
Sehr schön pointiert, habe herzlich gelacht. Hinter vorgehaltener Hand (“Ho, ho”) natürlich.
May 06, 2010
Thomas said…
Vor meinen Augen flackert schon Hitlers Anwort zu dem Vorfall als Remix der Bunkerszene in “Der Untergang”.
Aber ist ja verboten, Mist.
May 06, 2010
julian said…
Tja, da sieht man mal mit welch unterschiedlichen Maß hier gemessen wurde.
Kabarettisten auf dem Nockherberg kann sowas schon mal den Job kosten, auch ohne Hitler namentlich zu nennen.
Vielleicht sollte man Frau Charlotte Knobloch mal fragen, was sie davon hält?
May 06, 2010
F. Stegers said…
Was sagt denn die durch Papierdruck veredelte Textversion (so vorhanden)?
May 07, 2010
Norbert Diedrich (Nordbergh) said…
fiktive Antwort der F_Z Onlineredaktion (Ähnlichkeiten mit noch lebenden Redaktionen sind zufällig und nicht beabsichtigt)
Sehr geneigter Leser,
wir freuen uns darüber, dass Sie die F_Z offenbar aufmerksam und nachhaltig lesen. Das zeigt deutlich, dass wir auch in den Augen der sog. Webgemeinde immer noch eine nicht zu übersehende Größe auf dem Zeitungsmarkt sind. Das freut und bestätigt uns.
Leider ist es uns offenbar nicht gelungen, die in dem von Ihnen zitierten Abschnitt gewählte Metapher in seiner Ausrichtung absolut eindeutig zu formulieren. Leider haben sich einige Leserinnen und leser an den beiden Eigennamen gestört, ohne die Aussage dahinter zu sehen – oder sehen zu wollen.
Da wir selbstverständlich immer offen für Kritik sind und den Blick für den Kerngedanken schärfen wollen, haben wir uns entschlossen, die entsprechende Passage zu ändern.
Bleiben Sie uns auch weiterhin gewogen.
Bla bla mit freundlichen bla bla…

May 07, 2010
Karl said…
Wow! Da hat doch jemand tatsächlich bemerkt, dass ein Satz in einem Online-Artikel geändert wurde…
Ich befürchte, dass ist ein gutes Beispiel dafür, mit welch irrelevantem Kram Blogger Journalismus vortäuschen. Es gibt tolle Geschichten in Blogs. Diese gehört nicht dazu.

Blogs werden erst Journalismus ergänzen, wenn sie nicht nur die “Geschichten” aufgreifen, die per Internet vorbeitreiben. Wenn sich selbst einer der deutschen Top-Blogger nicht zu blöd ist, solche Kinkerlitzchen aufs Tablett zu heben, ist die Blogosphäre noch lange nicht so weit, wie sie immer über sich selbst behauptet.

May 07, 2010
Herr Berger said…
Und was bitte ist “stralinistisch”? (im Update 7.5)
May 07, 2010
Chat Atkins said…
“Das Wort sie sollen lassen stahn!” (Martin Luther)
May 07, 2010
Tech-o-matic said…
@Troll Karl:
Aber ohne diese kleine Aufmerksamkeit des Herren Sixtus hätten die alterschwachen FAZ-Leser der wahwitzigen Aussage kaum die Aufmerksamkeit geschenkt, die diese ohne Zweifel verdient hat. Weil die so herrlich ist, muss man die an der Stelle einfach nochmal zitieren:
Wir waren vor Jahren viel weiter und haben gesagt, dass das, was die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen oder des Hitler-Regimes waren, jetzt, als Weltlager, das Netz geworden ist.
Stalin, Hitler, Internet. Das geht echt runter wie Öl. Herrlich!
May 08, 2010
Jack said…
Dass von Brock so eine Aussage kommt, schockt die “altersschwachen” Faz-Leser nicht mehr. Vor allem nicht jene, die lieber die Printausgabe lesen, in der das Interview gar nicht abgedruckt wurde. @ tech-o-matic: Dass ein (nur!) im Internet veröffentlichtes Interview in den Blogs Aufmerksamkeit findet, überrascht mich weniger.
May 09, 2010
sandman said…
@tech-o-matic:
die mode, unliebsame kommentatoren als troll zu verunglimpfen, muss ich mich wohl erst noch gewöhnen. mich erinnert das sehr an meine pubertät, seit der ich von diversen online games eher die abschätzigen worte “noob”, “newb”, “b00n”, seltener auch “chobo” gewohnt war. der gebrauch dieser worte war eigentlich immer ein zeichen einer gewissen geistigen unreife, insbesondere außerhalb des spielekontexts, aber auch “in-game” wurden solche ausfälle von souveräneren individuen mit einem lakonischen “manners” quittiert und hartnäckige “flamer” nach kurzer zeit schlichtweg ignoriert. davon abgesehen hört sich “troll”, gerade das deutsche wort, ziemlich ausgedacht an und in so einem zusammenhang einfach lächerlich, so als würden sich erwachsene leute freuen noch einmal mit kindlichem enthusiasmus “ligretto” rufen zu dürfen. nur mit einem unsympathisch-bösartigen unterton.
und zur sache: der user karl hat darauf hingewiesen, dass es einiges über den anspruch dieses blogs aussagt, wenn ein verschwundenes genitivattribut aus einem allerdings eher wirren faz-interview, das auch ohne die pseudojournalistischen schlüsselreize “hitler” und “stalin” reichlich krude erscheint, hier so hoch gehängt wird. ich will gar nicht sagen, dass das schlecht ist, aber es spielt für mich eine eher untergeordnete rolle. karl formuliert das etwas krasser, wohl weil er eine diskrepanz zwischen geäußertem und erfülltem anspruch des blogs zu sehen meint. ich kann das nicht beurteilen, da ich, offen gestanden, keine lust und zeit habe, mich mit diesem potenziell enttäuschenden thema zu beschäftigen. sehr vieles deutet für mich darauf hin, dass dieser teil der “netzgemeinde” hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt ist. das ist höchstens dann unterhaltsam, wenn man sieht, was für leute sich für “natives” halten… und ansonsten für die überwiegende mehrheit der menschen, internetnutzer, onlinenachrichtenleser: total banane.

May 09, 2010
Tharben said…
Herr Sixtus, ohne Ihre geschmacklose Krawatte würde ich Sie liebend gerne -MUSIK-
May 10, 2010
Tech-o-matic said…
Nun, lieber Sandman, der Begriff „Troll“ stammt aus einer Zeit, als http noch eher mehr Text als Bildmaterial zu übertragen hatte und das Internet „Web“ noch nicht synonymisierte, da die meisten Teilnehmer noch gopher und nntp nutzten. Täuscht mich meine Erinnerung nicht, so war der Anteil von Pupertierenden im Netzwerk damals verschwindend gering.
Aber Leute, die einem Diskussionsthema die Relevanz absprachen („total banane“), diesem Thema aber – ganz im Gegensatz zu dieser Aussage – seltsamerweise trotzdem viel Aufmerksamkeit in Form von länglichen Kommentaren schenkten, gab es schon damals …
May 10, 2010
sandman said…
lieber tech-o-matic, wenn sie meinen post genau lesen, wird ihnen auffallen, dass der teil meines posts, der sich auf das thema bezieht, das mir total banane ist, sehr klein ausfällt.
ich bezweifle, dass sie mir beweisen können, dass der begriff troll vor, sagen wir, 1998 benutzt wurde, und es ist auch egal – so wie sie ihn gebrauchen hätte auch jedes andere wort von einer unreifen diskussionsmentalität gezeugt.

May 10, 2010
Tech-o-matic said…
@sandman: Hier gerne noch mal zum ausdrucken:
http://groups.google.de/groups/search?hl=de&as;_q=troll&as;_epq=&as;_oq=&as;_eq=&…
Wo sehen Sie denn den Anspruch dieses Blogs? Ist ihnen klar, dass die Bandbreite, die zur Publikation in einem Blog zur Verfügung steht nicht durch das Medium determiniert ist, wie das z.B. bei papiernen Publikationen der Fall ist? Abseits der Frage, ob das nun als Vor- oder eher als Nachteil zu begreifen ist, schmälert die Veröffentlichung einer solchen Randnotiz wie im Artikel die “Qualität” dieses Blogs wohl eher nicht (Und: Wir streiten darüber!)

Was die Diskurs„mentalität“ von Bazon Brock angeht, so zeugt die Reihung “Hitler, Stalin, Internet” nicht gerade von Reife. Da grüßt Godwins Law doch schon im Eröffnungsbeitrag … („epic fail !1!!“)

May 10, 2010
sandman said…
ich wollte (und habe m.e.) nirgendwo die äußerungen brocks verteidigt, im gegenteil. vermutlich gehen unsere meinungen über den faz beitrag gar nicht allzu weit auseinander.
wie in meinem ersten post geschrieben, habe ich wenig zeit und lust mich mit diesem blog eingehender zu beschäftigen. das liegt unter anderem schon an dem eindruck, den man gewinnt, wenn man auf der startseite einmal nach unten scrollt. praktisch keine selbst produzierten inhalte, überhaupt wenig text, entsprechend natürlich kaum feedback. selbst wenn mich die themen grundsätzlich interessieren würden, hätte ich also wenig grund, diesen blog zu lesen.

ich weiß nicht, welchen anspruch der blog an sich selber stellt (s.o.). aus einem kurzen überfliegen der letzten paar seiten und der feststellung, dass dieser beitrag der mit abstand längste, meistkommentierte (gut, dazu hab ich ja nun maßgeblich beigetragen) und, traurig aber wahr, der spannendste ist (zur erinnerung: es geht um ein entferntes genitivattribut in einem -benennen wir es ruhig: schlechten -faz interview mit einer vergleichsweise doch eher bedeutungsarmen persönlichkeit), ergibt sich nun eben ein bild einer gewissen irrelevanz im vergleich zu blogs, bei denen posts regelmäßig 100+ kommentare innerhalb weniger stunden erhalten. wenn das der anspruch ist – gut…

was sie mit ihrem hinweis auf die nicht medial determinierte bandbreite eines blogs meinten habe ich nun leider nicht verstanden. inhaltlich? quantitativ? qualitativ?

May 10, 2010
Godwin said…
Ihr zangt euch ja um eine Geringfügigkeit wie Hitler und Russland um Stalingrad….
P.S: habe ich damit diese Diskussion erfolgreich beendet?

May 10, 2010
Tech-o-matic said…
@sandman: So weit so gut. Ich möchte ihre Aufmerksamkeit hier auch nicht länger binden. Nur noch eine Erläuterung zur “Bandbreite” und deren Begrenzung:
In einer Tageszeitung können pro Tag nur x-Zeilen Text publiziert werden. Zudem geht es um hohe Investitionen und deren Verzinsung. Ein Online(Blog)system kann quasi beliebige Informationsmengen ohne relevante Kosten transportieren. Auswahlsysteme und -prozesse, die publizierten Inhalte betreffend sind entsprechend anders. Auch werden die Inhalte auch völlig unterschiedlich rezipiert. Mit einer Tageszeitung bekommt man immer ein praktisch nicht filterbares Gesamtpaket (Werbung, Sport, Wetter, Regional …) ohne nennenswerten Rückkanal (Leserbriefe, haha!).
(Übrigens: Ich finde diesen Blog hier unterhaltsam – und mehr auch nicht. Journalistische Höhepunkte (zumal in Karls Sinne) erwarte ich hier kaum.)

May 10, 2010
sandman said…
ok, ich hatte nur den argumentatorischen zusammenhang nicht verstanden, aber ich glaube, das macht nun auch nichts mehr…
mit ihrer anmerkung zur “bandbreite” haben sie natürlich recht. in dem sinne: man sieht sich auf spannenderen blogs! 😉

May 11, 2010
Karl said…
http://www.magda.de/zukunft_des_schreibens_3/
May 12, 2010
Jo-wan Plasma said…
Herr Sixtus,
mit schwerer Keule prügeln Sie das Ethos qualitativ hochwertigen Journalismus frei, was für sich genommen ehrenwerter nicht sein kann. Hätten Sie diese Maßstäbe an sich selbst angelegt, wäre die Treffsicherheit Ihres schweren Geräts sicherlich präziser gewesen.

“Mittlerweile hat Kathleen Hildebrand, die das Gespräch führte, diesen Fehler erkannt und klammheimlich korrigiert” schreiben Sie. Woher wissen Sie, dass diese Person in klammer Heimlichkeit den Text manipuliert hat? Da man davon ausgehen darf, dass Sie als Journalist, Autor, TV- und Videofuzzi die Onlineausgabe der FAZ nicht zum ersten Mal lesen, wird Ihnen sicherlich bekannt sein, dass Namensnennungen von Redakteuren auf faz.net verlinkt sind. Mit Bildchen und kleinem Textchen. Bei Kathleen Hildebrand ist das offensichtlich nicht der Fall.

Da Sie als Journalist, Autor, TV- und Videofuzzi sicherlich auch mit den Abläufen einer Redaktion vertraut sind, wissen Sie freilich, dass man schon Redakteur sein muss, um im Namen der Redaktion einen Text zu redigieren. Daraus folgt, dass Hildebrand entweder freie Mitarbeiterin oder Praktikantin ist und mit ziemlicher Sicherheit nicht für die Änderungen verantwortlich ist, da sie dazu gar nicht befugt ist. Sie aber behaupten dies frei raus. Is echt scheiße jetzt, ne?

Aber kein Problem: denn als ehrenwerter Journalist, Autor, e.a. wissen Sie sicherlich was zu tun ist.

Herzlich

Jo-wan Plasma

May 22, 2010
Totalitarismustheoretischer Quatsch said…
Das wirklich Ekelhafte an dem Interview ist doch, dass hier mal wieder der konsequente (und vor allem letztlich auch erfolgreiche) Kampf GEGEN den Faschismus, also der sowjetische Sozialismus mit seinen zur damaligen Zeit in allen demokratischen Ländern völlig selbstverständlichen Gefängnissen gleichgesetzt wird mit den Arbeits- und Vernichtungslagern der Nazis.
“…was die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen ODER (!) des Hitler-Regimes waren, jetzt, als Weltlager, das Netz geworden ist.”

Für sowas wäre Bazon Brock unter Stalin natürlich völlig zu Recht in eben jenes Gulag gekommen.

May 24, 2010
Tech-o-matic said…
Nun, wenn man für “sowas” (eine idiotische Äußerung!) “völlig zu Recht” in ein Arbeitslager gesteckt wird, dann ist doch die zugrunde liegende Rechtsauffassung kaum eine die dem “modernen Rechtsstaat” zugrunde liegt, oder?
May 25, 2010
Totalitarismustheoretischer Quatsch said…
“…dann ist doch die zugrunde liegende Rechtsauffassung kaum eine die dem “modernen Rechtsstaat” zugrunde liegt, oder?”
Sicherlich nicht. Und was soll das nun (über mich) aussagen?

Aber Sie wissen schon sehr genau, warum Sie “moderner Rechtstaat” in Anführung setzen. Weil nämlich an diesem zwar einiges “modern”, aber nichts rechtens ist. Er ist einzig und allein ein Legitimationsinstrument der herrschenden Klasse, durch und durch bürgerliche (also hinfällige) Institution. Der alte Mythos, der Westen sei demokratisch legitimiert und beruhe auf einem (im übrigen nicht weiter definierten, geschichtslosen, abstrakten) allgemeinen Rechtsprinzip, während in der UdSSR/DDR diktatorische Willkürherrschaft stattfand, ist doch unhaltbar – das beweist ein Blick auf aktuelle Urteile des Bundesverfassungsgerichts und anderer richterlicher Entscheidungen hierzulande, in denen z.B. die Kündigung und somit Existenz-Zerstörung langjähriger Mitarbeiterinnen einer Supermarktkette wegen angeblicher Unterschlagung von Pfandbons im Wert von einem Euro als “rechtens” im Sinne des dt. Rechtsstaates verteidigt werden. Und in den USA sitzen in den Gefängnissen zu 80% Afroamerikaner. Erzählen Sie mir also nichts von “Rechtsstaat”. Den können Sie gerne behalten.

Meine “Rechtsauffassung” ist in der Tat eine andere, nämlich eine marxistische, also eine – im Gegensatz zu der des westlichen Rechtsstaats – auf belastbaren begrifflichen Fundamenten stehende.

May 26, 2010
Tech-o-matic said…
… in dem man also nun für “sowas” (eine idiotische Äußerung!) “völlig zu Recht” in ein Arbeitslager gesteckt wird?
Oha, alles klar. Aber bitte, bitte keine weiteren bizarren Ausführungen mehr zu ihren speziellen Auffassungen von Rechtsstaaten “moderner”, bürgerlicher oder “marxistischer” Ausprägung. Sonst endet Ihr Leben evtl. noch in einer Art Autogulag.

May 27, 2010
Totalitarismustheoretischer Quatsch said…
Na, da hat aber einer die Hosen voll!
Jun 04, 2010

Nachtlagerist liked this post.
Jul 29, 2010
/sms 😉 said…
bazon brock hat auf einen ähnlichen artikel in der NZZ eine replik mit zehn punkten geschrieben: http://blog.rebell.tv/p15154.html zum beispiel:
9. „Die schleichende Totalitarisierung des Alltags gab es auch in der deutschen Gesellschaft der dreissiger Jahre. Deshalb sind Vergleiche angebracht, deshalb sind Vergleiche wichtig.“

10. „Mich kränkt, wenn ich von gegnerischen Argumenten nichts lernen kann, sondern zur Unterwerfung unter Dogmen gezwungen werden soll.“

vilém flusser nannte zeitungen, fernsehen, radio & co umstandlos “faschistische” medien. vielleicht sind diese beispiele ganz gut geeignet, dies zu zeigen… für die einen medien erfüllt ein nackter busen abdrucken zu dürfen die gleiche funktion, wie für andere das wort “hitler”…

Aug 16, 2010
kalki Avatar said…
He looy an diesem wesite über Hitler in http://www.naziat.org/hitler.htm ist dieses gut über Hitler…
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